Stopp mit der alten Leier!

Manchmal haben wir das Gefühl, dem Leben ausgeliefert zu sein – privat wie im Arbeitsumfeld. Und tatsächlich müssen wir einiges hinnehmen und können es nun mal nicht ändern. Aber – und jetzt kommt eine Erkenntnis, die banal klingen mag, aber entscheidend ist – es gibt viel mehr Bereiche als du vielleicht denkst, die du sehr wohl (mit)gestalten kannst. Und genau da beginnt Selbstführung, nämlich an dem Punkt, an dem du dir sagst: Dieses ist mein Leben, dafür übernehme ich die Verantwortung, ich führe mich selbst hindurch.

Im ersten Teil der „Selbstführung für Einsteiger*innen“ habe ich dir vier Impulse in Richtung gesunder Selbstführung beschrieben. Wenn du ihnen Raum gibst, bist du schon ein gutes Stück weiter. Wichtig ist jedoch, dass du auf deinem Weg nicht immer wieder in dieselben Fallen tappst und auf alte Glaubenssätze zurückfällst. Denn aufgepasst: Der größte Stolperstein auf dem Weg zu einem selbstgeführten Leben liegt zwischen deinem rechten und linken Ohr. Dort klammern sich innere Blockaden fest wie Kletten: „Schön und gut, aber jetzt passt es grad nicht für mich“ oder „Das ist zu viel für mich, da kann ich’s doch gleich lassen“, um nur zwei Beispiele zu nennen. An dieser Stelle sage ich in meinen Coachings – und dir jetzt hier – laut und deutlich: STOPP! Hör auf mit der alten Leier! Weg mit den ollen Kamellen! Hör auf, dir das Leben unnütz schwer zu machen durch gewisse innere Einstellungen und Ansprüche und Erwartungen an dich selbst.

Deine Überzeugungen von gestern gelten nicht automatisch heute noch. Vielleicht schaffst du es ja, das zu dir selbst zu sagen? Es könnte dir helfen, wenn du versuchst, deinen inneren Überzeugungen auf den Grund zu gehen. Passen sie noch zu deinem Leben und deiner aktuellen Situation? Oder könnten sie eine kleine Anpassung gebrauchen?

Raus aus der Verallgemeinerungsfalle

Ich möchte dir diesen Prozess am Beispiel von Sven veranschaulichen. Du erinnerst dich sicher noch an ihn aus Teil 1. Sven steckte irgendwann so tief in seiner Misere, dass er seine Situation nur noch verallgemeinern konnte: ALLES läuft IMMER schlecht und NIE mal was gut. Aber, wir erinnern uns, der Mann war clever genug zu erkennen: Ich muss etwas verändern (und dabei brauche ich Hilfe). Was würde ich ihm raten? Nun, ein erster Schritt könnte sein, dass er sich eine Viertelstunde Zeit nimmt, sich vor ein leeres Blatt Papier setzt und ganz konkret seine Situation skizziert – also die berufliche, sein Team, der Chef, und die private, seine Frau, die Familie, sonstige Interessen. Das hilft, überhaupt einen Blick für die eigene Situation zu bekommen und die einzelnen Bausteine des Lebens zu identifizieren. Diese an sich einfache Übung ist hilfreich, um aus dem (vor allem nächtlichen) Gedankenkarussell auszusteigen und die Dinge mit Distanz zu betrachten.

Im nächsten Schritt könnte Sven versuchen, eine etwas andere Perspektive einzunehmen und sich die Fragen wie diese stellen: Was läuft denn vielleicht nicht ganz so schlecht? Ist wirklich IMMER ALLES in seinem Leben schlimm und NICHTS positiv? Das checkt er nun systematisch durch, Punkt für Punkt. Und siehe da, es gibt auch Lichtblicke in seinem Leben!

Den Handlungsspielraum erkennen

Weiter geht’s. Sven nimmt sich alles vor, was nicht so gut läuft, und überlegt: Was könnte ich verändern? Dabei stellt er fest, dass manches einfach nicht in seiner Hand liegt. All das lässt er erst einmal beiseite und konzentriert sich auf das, was er beeinflussen kann. Er fragt sich: Was könnte ich selbst tun, um einzelne Situationen für mich zu verbessern?

Sven fängt ganz klein an. Wie beschrieben schläft er aktuell sehr schlecht, ist dadurch morgens schon extrem gestresst und schnauzt seine Kinder an. Es wäre für ihn eine enorme Entlastung, wenn er sich dienstags und freitags – da ist morgens um 8 Uhr Teamsitzung – nicht um die Kinder kümmern müsste, sondern seine Frau das übernähme. Er könnte ja im Gegenzug die Kinder am Abend bettfertig machen. Reflexartige Gedanken wie „Das macht meine Frau im Leben nicht mit“ oder „Das war doch anders geplant“ entlarvt er als „selbstgemachte“ Hindernisse und verbietet sie sich bewusst.

Nächste Baustelle: sein Team, das sich in den letzten Monaten mehr und mehr von ihm entfernt hat und zu dem er keinen Draht mehr hat. Den Grund dafür muss er sich selbstkritisch eingestehen: Er hat nicht zu wenig Zeit für die Mitarbeitenden gehabt, sondern sich zu wenig Zeit für sie genommen. Also beschließt Sven, sich gezielt Zeit freizuschaufeln und trägt in seinen Terminkalender ein, dass er ab sofort jeden Mittwochvormittag mit einem Teammitglied ein zugewandtes Gespräch führt, das über Arbeitsinhalte hinausgeht.

Verantwortung übernehmen

Was ich an Svens Fall zeigen möchte: Auch der weiteste Weg beginnt mit einzelnen Schritten, und schon kleine Veränderungen können deinen Alltag deutlich verbessern. Mit Veränderungen meine ich übrigens nicht die Einstellung „Das Leben könnte so schön sein, wenn die anderen sich ändern würden“. Ganz ehrlich: Dein Leben wird sich nur zum Besseren verändern, wenn du bereit bist, DICH zu verändern.

Natürlich sind wir immer in unseren Kontexten unterwegs, in der Familie, im Freundeskreis, im Job, im Team. Und da ist es ganz normal, dass es immer mal wieder Konflikte und Krisen gibt und wir uns Veränderungen wünschen. Es lohnt nicht, sich an Dingen abzuarbeiten, die wir nicht ändern können. Entscheidend ist vielmehr die bereits erwähnte Frage: Wo ist mein Handlungsspielraum? Auch wenn ich bestimmte Dinge nicht ändern kann, mich selbst kann ich auf jeden Fall beeinflussen.

„Gesunde Selbstführung beginnt mit dem Mut, Selbstverantwortung zu übernehmen.“

In meinen Coachings und Seminaren sitzen häufig Menschen, die sich fremdbestimmt fühlen und es schaffen wollen, das umzudrehen und für sich selbst wirksam zu werden. Dafür braucht es unbedingt den oben beschriebenen Prozess des Erkennens. Und den Glauben, dass es geht. Und dann werden in kleinen Schritten erste Erfolgserlebnisse gesammelt. Meine Rolle dabei ist es, einen Raum zu öffnen, in dem meine Klient*innen selbst Ideen für ihre Selbstführung entwickeln können.

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