Mein Chef kneift nicht, wenn's schwierig wird!

Herr Meier hat nach längerer Pflegezeit seine Frau verloren. Danach war er für einige Wochen krank geschrieben, doch Montag kehrt er wieder an seinen Arbeitsplatz zurück. Oh Schreck! Unsicherheit macht sich im Team breit. Wie wird Herr Meier wohl drauf sein? Möchte er über seine Situation sprechen? Sollten wir irgendetwas vorbereiten?

Das sind Fragen, die uns begegnen, wenn wir Unternehmen um Umgang mit Trauer begleiten. So wie wir Menschen uns auch im privaten Umfeld mitunter schwer tun mit den Themen Sterben, Tod und Trauer, sind diese auch, oder vielleicht sogar gerade im beruflichen Kontext heikel. Die Arbeit muss erledigt werden - Gefühle zeigen im Business? Leider oft tabu! In der Praxis herrscht häufig Unsicherheit, Ohnmacht und Sprachlosigkeit im Umgang mit trauernden Menschen.

Doch ein achtsamer und zugewandter Umgang mit Trauernden, eine wertschätzende Trauerkultur also, sollte Teil einer gesunden Unternehmenskultur sein und ist damit gleichermaßen eine Chance und eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Trauer betrifft uns alle - und damit eben auch alle Unternehmen

Früher oder später ist jede(r) Mitarbeitende von persönlicher Trauer um verstorbene Angehörige betroffen. Egal ob sie um die eigenen Eltern trauern oder um ein Kind oder den Partner - Trauer kostet immer viel Kraft und zieht mitunter weitere Beschwerden nach sich, wie bspw. Schlaf- oder Konzentrationsstörungen bis hin zu Krankheitsbildern wie Depression oder Angststörungen. In jedem Fall sind Trauernde temporär nicht so leistungsfähig, wie sie eigentlich möchten und wie es die Führungskraft gewohnt ist.

Unterdrückte Trauer, ein Durchhalten um jeden Preis, ist in dieser Situation keinesfalls förderlich. Gelebte Trauer hingegen ist ein heilsamer Prozess. Und Menschen, die in dieser herausfordernden Lebensphase Unterstützung erfahren, sind in der Lage, schneller wieder zu ihrer alten Leistungsfähigkeit zurückzufinden.

Was einen aktiven Umgang mit Trauer verhindert und was Du dagegen tun kannst

Leider geistern immer noch ein paar Mythen durch die Köpfe der Menschen, wie z.B. "Privat ist privat, das hat am Arbeitsplatz nichts zu suchen" oder "So viel Gefühlsduselei gehört nicht ins Büro". Daraus entstehen Irrtümer im Umgang mit Trauernden - und mit den Häufigsten möchten wir heute gern aufräumen.

Irrtum Nr. 1

Tränen am Arbeitsplatz sind peinlich.

Menschen im Umfeld von Trauernden haben Sorge, durch ihre Frage „Wie geht es Dir?“ einen Tränenausbruch zu riskieren. Sie sind verunsichert und möchten ihr Gegenüber nicht in eine unangenehme Situation bringen. Zudem scheuen sie sich, selbst mitweinen müssen! „Tränen reinigen die Seele“ heißt es jedoch in einem Sprichwort, sie sind also ein heilsamer Ausdruck von Trauer. Auch im Unternehmenskontext!

Also: schnapp‘ Dir ein Paket Taschentücher und ziehe Dich für ein Gespräch in Ruhe zurück. Gemeinsam weinen schafft Vertrauen und Nähe und stärkt damit auch eure Arbeitsbeziehung.

Irrtum Nr. 2

Menschen am Arbeitsplatz auf ihre Trauer anzusprechen, ist übergriffig.

Trauernde haben meistens ein großes Bedürfnis über ihre Situation zu sprechen. Und sie verfügen über besonders feine Antennen, ob jemand wahrhaftiges Interesse an ihnen zeigt. Wenn Du also einen großen Bogen um Trauernde machst, signalisierst Du ihnen Desinteresse und enttäuschst sie damit sehr.

Also: nimm‘ Dir Zeit zuzuhören. Keine Sorge, Du kannst nichts falsch machen – außer das Gespräch gar nicht erst zu suchen. Der Trauernde entscheidet selbst, wieviel er dann preisgeben möchte.

Irrtum Nr. 3

Trauer ist nach einer Zeit zu Ende.

Weit gefehlt! Vielleicht sind die äußeren Anzeichen irgendwann nicht mehr so sichtbar, aber die Trauer an sich begleitet Menschen ein Leben lang. Eine Aufgabe in der Bewältigung von Trauer besteht daher darin, sie auf gesunde Art und Weise ins Leben zu integrieren. So, dass sie dem Menschen trotz allem ein glückliches und erfülltes Leben ermöglicht.

Also: sei wachsam und achte auch auf die leisen Töne! Nutze auch nach längerer Zeit, nach Wochen und Monaten, die Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch und Austausch.

Was wir hier schildern, trifft auf die allermeisten Trauerfälle für den Umgang im Arbeitsalltag zu. Dennoch kann es natürlich sein, dass Menschen umfangreichere Hilfe in ihrer Trauer benötigen. Auch hier kannst Du als Führungskraft unterstützen, indem Du die Möglichkeit professioneller Trauerbegleitung ansprichst. Es gibt ein sehr flächendeckendes Netz von Trauerbegleitung, in Form von Einzelbegleitung und auch Trauergruppen, die teilweise auf besondere Trauerfälle spezialisiert sind (wie bspw. Suizid). Zögere also nicht, solche professionellen Unterstützungsangebote anzusprechen!

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Wertschätzende Trauerkultur – wie alle Beteiligten profitieren

  • Als Führungskraft stärkst Du die Arbeitsfähigkeit Deiner Mitarbeitenden und damit auch die Produktivität des Unternehmens.
  • Die Mitarbeitenden fühlen sich als Mensch wertgeschätzt und zahlen dies mit Engagement und Einsatzbereitschaft zurück. Ihre Bindung an das Unternehmen wächst.
  • Stichwort Employer Branding: Unternehmen mit einer zugewandten Trauerkultur sind als Arbeitgeber attraktiv.

Wir freuen uns, wenn Dir unsere Hinweise die Scheu im Umgang mit Trauernden nehmen konnten! Also los - mit wem möchtest Du heute noch das Gespräch suchen?

Herzlichst

Christine & Andrea

Wir l(i)eben Gesundheit!

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