Ein unsichtbares Phänomen

Mit 20-jähriger Erfahrung als Managerin im mittleren Management, also in der „Sandwich Position“, habe ich Führung aus allen Blickwinkeln heraus beleuchtet. Und ich kenne die Emotionen und Werte, welche sich aus Führungsverhalten dem Arbeitgeber gegenüber verändern können.

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Demotivierende Gesprächsführung, Eingriffe in den eigenen Kompetenzbereich sowie Kritik vor anderen, um hier nur einige zu nennen, führen zu einer Störung der emotionalen Bindung des Arbeitsnehmers zum Unternehmen. Kommen dann erschwerend Organisationsprobleme oder nicht geklärte Teamkonflikte hinzu, führt es nicht selten zur inneren Kündigung.

Ein schleichender Prozess

Ja, diese innere Kündigung fällt nicht aus dem Himmel. Sie ist vielmehr ein unsichtbarer, schleichender Prozess, der letztlich in dem Ergebnis von Leistungsrücknahme und Kontraproduktivität mündet. Fehlt den Mitarbeitenden die emotionale Anbindung an das Unternehmen übernehmen sie auf Dauer weniger Verantwortung, zeigen weniger Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft. Die Folge: wichtige Wettbewerbsfaktoren werden geschwächt. Die Fehlzeiten steigen und Rentabilität, Qualität und Produktivität sinken. Auch Kundenbindung leidet unter all diesen Auswirkungen, mal abgesehen von der „Wissensverpuffung“ durch nicht eingebrachtes Know-how.

Dieses vorhandene - doch vorbehaltene - Potenzial der Mitarbeitenden beeinträchtigt wirtschaftliche Ergebnisse des Unternehmens und damit auch unsere gesamte Volkswirtschaft. Laut der letzten Gallup Studie 2017 kostet es die deutsche Wirtschaft bis zu 105 Milliarden im Jahr. 17 % der Arbeitnehmer haben gekündigt und 67% sind "innerlich" auf dem Weg dorthin, sie machen nur noch Dienst nach Vorschrift. Erschreckend, findest Du nicht?

Was könnte helfen, dieses komplexe Phänomen positiv zu beeinflussen?

Häufige informelle Gespräche und Kontakte, Ehrlichkeit und Offenheit im Umgang und bewusste Würdigung des Geleisteten sind wahre Erfolgsfaktoren. Menschen wollen gesehen und wahrgenommen werden! Auch das Vertrauen neue, anspruchsvolle Aufgaben übertragen zu bekommen stärkt die Mitarbeitenden und fördert deren Selbstwirksamkeit. Die Stärkung eines „Wir-Gefühls“, bedingt durch die Verdeutlichung der gemeinsamen Ziele, erreicht eine Verbesserung des Arbeitsklimas. Die Unternehmensvision, heruntergebrochen auf jeden Einzelnen, stellt nicht nur eine Orientierungshilfe dar, sie ist auch eine wichtige Grundlage für Zielvereinbarungsgespräche mit Inhalten wie z.B. Anerkennung, Leistung, Erwartung und natürlich berufliche Weiterentwicklung. Unternehmens- und Führungskultur sind eindeutig die nachhaltigen Stellschrauben, um Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und damit innerer Kündigung vorzubeugen. Der Dialog mit den Führungskräften ist hierbei das A und O.

Raum für Führungs- und Wertschätzungsentwicklung

Häufig, so ist meine Erfahrung, finden die Führungskräfte wenig Unterstützung in dem komplexen Thema „Führung“. Haben sie doch selbst ein enormes und vielschichtiges Arbeitspensum zu bewältigen. Dann bleibt „Führen“ auf das notwendigste beschränkt und werden unangenehme Gespräche oder solche, bei denen die Gesprächsführung unklar ist, kaum oder gar nicht geführt.

Zu Beginn dieses Beitrages schrieb ich: „Und ich kenne die Emotionen und Werte welche sich durch geringe Wertschätzung verändern."

Ein wichtiger Satz, wie ich finde. Denn letztlich sind unsere Werte die tiefe Motivation, wie wir und mit welchem Einsatz wir etwas tun. Und gerade deshalb sind es nicht nur die bereits sich vom Unternehmen distanzierenden Mitarbeitenden, sondern vor allem auch die emotional an das Unternehmen gebundenen Menschen, welche in Gesprächen sensibel behandelt, begleitet, geführt werden wollen. Nicht nur, weil letztere in der Regel die Leistungsträger sind, sondern weil emotionale Bindung an das Unternehmen sensibler macht für Misstöne, für vernachlässigte Wertschätzung. Denn es ist wie in jeder Beziehung: es sind nicht die großen Vorkommnisse, es sind die kleinen Dinge, welche den Stil des Umgangs miteinander definieren und schlimmstenfalls zu einer schleichenden Kündigung führen.

Mein Credo: die Investition in die Führungsqualität - in Form von Coaching, Seminaren und Training im großen, themenübergreifenden Bereich „Gesundheit und Führung" - wird mit Sicherheit einen hohen Return of Invest aufzeigen. Es ist an der Zeit, die Führungskräfte wirksam zu unterstützen, damit sie ein Bewusstsein für wertschätzende Führung entwickeln können, sich selbst und anderen gegenüber!

Eine reflektierte und gesunde Führungskultur beschert leistungsstarke und vor allem loyale Mitarbeiter - ein enormer Wettbewerbsvorteil!

Und sie beschert Führungskräfte, welche ihre „Strahlkraft“ im Unternehmen bewusst und positiv einzusetzen wissen.

Davon bin ich überzeugt!

Elke Brejschka
Zertifizierter Personal und Business Coach

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Aus dem 2care Blog