Die Erfolgsbremse im Gesundheitsmanagement

Du kennst das vermutlich auch: da werden im Unternehmen seit Jahren Gesundheitstage, Anti-Stress-Seminare oder Betriebssport organisiert und was passiert? Es gehen immer nur wenige bzw. dieselben Personen hin und meistens die, die eh schon sehr gesund leben.

Warum steht das Thema Gesundheit immer noch auf dem Abstellgleis?

Die Antwort ist aus unserer Erfahrung so banal wie wesentlich: wegen des Zeigefingers!

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Gerade in punkto Gesundheit – einem höchst persönlichen Thema – möchten wir Menschen uns nicht vorschreiben lassen, was wir zu tun oder zu lassen haben.

Und gerade im Kontext von BGM springt diese Zeigefinger–Mentalität mitunter viel schneller an, als vielleicht gewollt. Dazu eine kleine Anekdote aus unserer BGM-Beratung. In einem Unternehmen ging es darum, das vorhandene BGM-Konzept aufzufrischen. Es aus der schwerfälligen Schublade herauszuholen und in ein lebendiges Gesundheitsmanagement zu verwandeln. Das den Menschen Spaß macht, das sie einlädt zu Gesundheit in den Austausch zu kommen, das mit Leichtigkeit zum Nachdenken anregt, das ein gesundes Bewusstsein unterstützt, das die Verantwortung auf alle Schultern verteilt – auf die des Arbeitgebers ebenso wie auf die des Arbeitnehmers; um einige wesentliche Säulen zu nennen.

Dieses Vorhaben fanden wir großartig und gingen das Projekt an. Wie bei solchen Vorhaben üblich, haben wir zunächst die IST-Situation erhoben. Unter anderem wurden dazu die Kosten eruiert, die das Unternehmen jährlich in diversen Bereichen rund um Gesundheit investiert hat, wie bspw. in die freien Getränke. Mit dem Ergebnis: die Ausgaben für Cola & Co waren exponentiell hoch.

Und vielleicht kannst Du Dir schon denken, was eine der ersten Ideen war, die bei der Verkündung der Ergebnisse auf den Tisch kam: „Wenn wir über Gesundheit sprechen, dann sollten wir im Getränkespender statt Cola eben nur noch Wasser und Apfelschorle anbieten.“ Und als wir uns in der Management-Runde umschauten, sahen wir an vielen Stellen zunächst ein einvernehmliches Kopfnicken.

STOPP – was führt wirklich zum Ziel?

Zahlt diese „Richtig-Falsch-Keule“ in Form des Zeigefingers á la „Wir nehmen euch jetzt die Cola weg, denn die ist ungesund“ wirklich auf das Ziel ein, dass Gesundheit endlich Spaß machen soll?

Hand aufs Herz: wer von uns weiß nicht, dass ein Wasser gesünder ist als das x-te Glas Cola. Und wer von uns weiß nicht, dass die Currywurst nicht so nahrhaft ist wie frisches Gemüse oder die Apfelschorle zum Feierabend sicherlich bekömmlicher als das Feierabendbier oder die 50 Stufen zum Arbeitsplatz für den Körper gesünder sind als die tägliche Fahrt mit dem Fahrstuhl. Doch wollen wir das hören? NEIN!

Diese Keule erzeugt oft genau das Gegenteil: sie ermüdet und demotiviert. Denn sie weist uns auf unsere Mängel hin, unsere menschlichen Schwächen. Und das macht alles, doch nur wenig Freude. Gesundheit soll nicht einschränken, sondern vielmehr neue Freiräume schaffen, neue Entscheidungsspielräume öffnen, die jeder Einzelne für sich bewusst gestalten kann.

Zäumen wir dazu das Pferd einmal von hinten auf. Natürlich wäre es klasse und mit Sicherheit auch gesundheitsförderlich, wenn sich der Cola-Konsum reduziert. Die zentrale Frage, die es dabei zu beantworten gilt, ist jedoch:

Wie gelingt es, dass in uns selbst der Motor anspringt:

  • 1 x mehr Wasser zu trinken?
  • 1 x öfter die Treppe zu nehmen?
  • 1 x mehr eine wirkliche Pause zu machen?
  • 1 x weniger zum Kaffee oder Nikotin zu greifen?
  • 1 x weniger in Hektik die Pizza zu essen? uvm …

Weg von Schwarz & Weiß, hin zum Grau!

Es ist gar nicht so komplex. Vielleicht braucht es an der einen oder anderen Stelle eher eine Portion Mut, auch ungewohnte Wege zu gehen und sich überraschen zu lassen. Schaffe ein Klima, in dem Freude statt Zeigefinger regiert.

Ein Klima, das der Salutogenese folgt und damit den Fokus darauf lenkt, was gesund macht und gesund erhält, statt ausschließlich die „Krankmacher“ - die pathogenetischen Faktoren - ins Zentrum zu stellen. Im Cola-Beispiel gesprochen könnte das bedeuten: Die Cola bleibt den Mitarbeitenden erhalten und zusätzlich wird bspw. ein Wassertag ins Leben gerufen.

Ein Klima in dem jeder für sich selbst bestimmen kann, was für ihn/ sie gesund ist und was nicht – ohne dabei einen schrägen Blick von der Seite zu riskieren.

Ein Klima, das dem Einzelnen Zeit für die individuellen Entwicklungsschritte lässt. Denn jeder hat sein eigenes Tempo, seine persönliche Situation und Ressourcen etc.

Ein Klima, das mit einem niedrigschwelligen Angebot aufwartet und vielleicht auch mit einem unkonventionellen. Hast Du bspw. schon einmal einen Vortrag wie „Auch Schnitzel können gesund sein“ oder „Gesundheit? Nein Danke!“ erlebt?

Und bei allem gilt: es gibt nicht DAS Patentrezept!

Kein „So geht BGM richtig oder falsch“. Gesundheit ist und bleibt individuell und ebenso der Weg hin zu einem gesunden Lebenswandel und damit auch zu einem gesunden Unternehmen. Das heißt auch: Weg vom Schwarz-Weiß-Denken hin zur Akzeptanz der vielen, individuellen Graustufen.

Gesundheit braucht Raum für...

  • Eigeninitiative und Entscheidungsfähigkeit! Es braucht den Raum und die Möglichkeiten – auf allen Ebenen – Entscheidungen für sich abzuwägen und eigeninitiativ treffen zu können. Und das erfordert gleichermaßen die Fähigkeit, die Entscheidung des anderen aushalten zu können.
  • Experimente! Finde im Tun gemeinsam mit Deinen Kolleginnen & Kollegen, Deinem Team, Deiner Abteilung heraus, was euch gut tut, was gut ankommt, was ein gesundes Bewusstsein unterstützt, was Spaß macht und sammelt eure Erfahrungen. Und ja, vielleicht stellt ihr dabei auch einmal fest, das eine Entscheidung nicht die beste war, ok! Dann könnt ihr es für das nächste Mal verändern. Aber ihr findet es erst heraus, wenn ihr es ausprobiert.

Gesundheit ist für uns von 2care vor allem ein Lern- und Entwicklungsprozess: für jeden Einzelnen und für die gesamte Organisation. Wir vergleichen diesen auch gerne mit einer Reise, bei der das Ziel weniger die Zahl X, sondern vielmehr das Loslaufen ist, das „sich auf die Reise machen“, den Weg gehen und aus den Erfahrungen lernen. Dabei sind die verschiedenen Meilensteine, Etappenziele wertvolle Reflektionsinseln, um auszuloten, ob und wo Veränderungen initiiert werden sollen und was auf jeden Fall beibehalten werden soll.

So wird aus einem schwergängigen Konzept ein lebendiger Prozess, Gesundheit für sich selbst und als Unternehmen anzugehen. Individuell und dynamisch, so wie es zu den Menschen passt. Eben erfrischend anders. Wirksam!

Wir wünschen Dir viel Spaß bei Deinem gesunden Weg. Wenn Du Fragen oder Ideen hast, wie wir bei Dir im Unternehmen das Thema Gesundheit wieder mit frischem Leben füllen können, dann sprich uns gerne an!

Herzliche Grüße
Die Zwei von 2care

P.S: Und um nochmal zum Beispiel aus unserer BGM-Beratung zurückzukommen. Die Cola ist selbstverständlich im Getränkespender geblieben. Und was ist Dein Tipp für den Konsum heute nach zwei Jahren? Genau, das Vorgehen zahlt sich aus, denn der Konsum hat sich über die letzten beiden Jahre deutlich reduziert – ganz ohne Verbot & Zeigefinger, sondern mit Spaß!

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